Vom Stroh zu Gold: Gemeinsamer Flachsanbau der Spinngruppe „Rumpelstilzchen“

Welchen besseren Namen als „Rumpelstilzchen“ könnte eine Gruppe haben, die gemeinsam Flachs anbaut und verspinnt? Stroh zu Gold, das steht den begeisterten Teilnehmer:innen rund um Matthias Epperlein-Trümner noch bevor. Vom Samenkorn bis zum Flachsstroh in der Röste sind aber schon einige Erkenntnisse und Erfahrungen zusammengekommen, die Matthias für unseren Blog zusammmengefasst hat. An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön für die Fotos, die die Gruppe sowohl für den Blog als auch für das Crowdfunding-Video beigesteuert hat.

 

Bei Robin Wall Kimmerer lese ich in ihrem Buch „Geflochtenes Süßgras“ über die Weisheit der Pflanzen: „Die Erde schenkt uns großartige Gaben, aber die Gaben allein reichen nicht aus. Die Verantwortung …. liegt auch bei uns, wir wirken bei der Umwandlung mit.“ Sie erzählt von dem indigenen Wissen der Gewinnung des Saftes der Ahornbäume und Verarbeitung zu Sirup. Als indigene weise Frau und Wissenschaftlerin zugleich, schreibt sie über die Großzügigkeit der Erde und unsere Annahme des Geschenkes genau dieses Reichtums in Dankbarkeit. Genau in diese Annahme des Geschenkes im Akt der Sorge, des Beschützens, Erntens und Verarbeitens gehen wir mit unserem 1qm Flachsprojekt.

Zu neunt haben wir den Flachs angebaut

Wir, das ist ein Teil unserer Spinngruppe „Rumpelstilzchen“, die wir uns einmal monatlich treffen, mit Teilnehmer*innen vom Vogelsbergkreis, über Marburg bis zum Edertal und spinnen, spindeln und weben.

Zu neunt waren wir angetan und berührt vom Projekt 1qm Lein, wir waren neugierig, unsere Absicht war der Kontakt mit der Pflanze, das Erspüren und Nachspüren der alten Weisheit von Verarbeitung und Nutzbarmachung von Lein. Gewünscht und erwartet hatten wir ganz früh den verbundenen Kontakt zu naturnahen Wiederfinden des Geschenkes der Natur und gleichzeitig zu dem Weg und Prozess mit Leinpflanzen. Wir fanden uns zu neunt und fanden einen sonnigen Platz im Garten im Edertal.

 

Flachs verbindet

Gefunden und gelernt haben wir im Prozess des Vorbereitens des Bodens, gemeinsam Säens, Wachstum- und Blaue Blüten-Bestaunens und Erntens vieles: Gemeinschaft macht uns Freude und Freunde – Flachs verbindet mit seiner gemeinschaftlichen und gemeinschafts-stärkenden Ressource.

Altes Wissen wiederbeleben

Kontakt zu altem Wissen und Menschen in unseren Dörfern, die davon erzählen und altes Wissen auskramen. Menschen haben uns von ihren Großmüttern und Leinengeschichten erzählt, von Geschichte der Verarbeitung des Leins und den Dorfgemeinschaften. Alte Filme und Wissen kamen in der Recherche und im Internet dazu. Kontakt zu altem Werkzeug und Hilfsmitteln, die fast verschwunden zu sein scheinen.

 

Vermehrung der Samen

Dankbarkeit über die wundersame Vermehrung von Samen, 9 mal 20 Gramm in der Tüte wurden zu 440 Gramm Samen fürs neue Jahr.
Warten macht Sinn und ohne zuviel Zutun gibt uns die Natur stets viel Grund zum Bestaunen.
Freude, dass die Initiative der 1qm Lein Community und Begleitung von Mona von 1qm Lein motivierend und in seiner Verbreitung enorm ist. Danke dafür.

Der Flachs wird geröstet

Nun stehen wir ja gerade in der Mitte des Projektes, die Stängel rösten in selbstgebauten Behältern mit Regenwasser, der Samen ist in Tütchen verteilt an alle Beteiligten. Immer wieder, zum Beispiel auch beim Erfreuen über die getrockneten Samenkapseln und das Freilegen der Samenernte durch sanftes Blasen, erinnern wir einen Kontakt mit den Geschenken der Natur und der Stille, von der wir manchmal im Alltag gar nicht wissen, dass wir sie vergessen haben.

 

Text und Fotos: Matthias Epperlein-Trümner