Rückblick auf die Flachsfeste 2025

Die Flachsfeste 2025 liegen hinter uns. In ganz Deutschland kamen Menschen zusammen, um Flachs zu brechen, zu schwingen und zu hecheln – und vor allem, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und das alte Handwerk der Flachsverarbeitung neu zu entdecken. Egal ob in kleinen Dorfmuseen, großen Freilichtanlagen, Gemeinschaftsgärten oder alten Bauernhöfen: Die Stimmung war überall warm, kooperativ, konzentriert und neugierig.

In diesem Blogbeitrag ziehen wir ein Fazit aus dem Feedback, das wir von fast 40 Kooperationspartner:innen und einigen Teilnehmer:innen bekommen haben. Danke für eure Mitarbeit!

Flachs hecheln auf dem Flachsfest am Museum für Sächsische Volkskunst Dresden. Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Franzisa Kestel.

Gemeinschaft und Mitmachen

In fast allen Rückmeldungen taucht in der einen oder anderen Form folgender Satz auf: „Es war so schön, sich mit anderen auszutauschen!“

Teilnehmende, Museumsleute und Besucher:innen, Jung und Alt, arbeiteten nebeneinander, unterstützten einander bei kniffligen Arbeitsschritten und teilten Geschichten von Garten, Ernte und Handwerk. Einige Orte haben neue Kooperationen oder zukünftige Kurse aus der Erfahrung beim Fest entwickelt. Ein vielfältiges Begleitprogramm, wie z.B. Färben mit Pflanzen, Märchen zum Spinnen, traditionelle Kleidung, kleine Ausstellungen, Wettbewerbe („der längste Flachs“!) und Handspinn-Vorführungen, sorgte dafür, dass jedes Fest seinen eigenen Charakter bekam.

Auf den Flachsfesten kamen nicht nur  unsere Teilnehmer:innen mit den Kooperationspartner:innen zusammen, sondern vielerorts beobachteten auch Museumsbesucher:innen die  Flachsverarbeitung oder probierten sie spontan aus. In manchen Museen wurde das Flachsfest auch in größere Veranstaltungen wie z.B. das Erntefest oder den Nachhaltigkeitstag integriert,  und so mehr Publikum angezogen. Spontan vorbeikommende Besucher:innen waren fast immer sehr interessiertvielleicht, weil jede:r Leinen kennt, aber kaum etwas über dessen Herstellung weiß? Vielleicht, weil man sofort erkennt, wie eng beim Flachs Natur, Geschichte und Handwerk miteinander verbunden sind. Und sicherlich, weil es einfach etwas besonders Schönes ist, gemeinsam an etwas zu arbeiten, das Geduld verlangt und am Ende so greifbar ist wie ein selbst hergestellter Faden.

Insgesamt gab es bei den Flachsfesten viele glückliche und neugierige Gesichter, und auch Kindern hat das Brechen und Hecheln großen Spaß gemacht.

Beim Flachsfest in den Zinnwerken in Hamburg Wilhelmsburg haben die Teilnehmer:innen zum gemeinsamen Kuchenbuffet beigetragen. Foto: Martha Starke

Was wir gelernt haben

Eure ehrlichen Rückmeldungen zeigen uns auch, an welchen Stellen wir als Projekt weiter wachsen können. Hier kommen einige Punkte, die euch aufgefallen sind.

  • Die Feste sollten nicht zu früh stattfinden (nicht vor Ende August/Anfang September), da nach der Ernte genug Zeit für die Teilnehmer:innen zur Röste bleiben muss.
  • Die Auslastung der Flachsfeste war sehr unterschiedlich – zu einigen Flachsfesten kamen viele Teilnehmer:innen von 1qm Lein, zu anderen nur wenige oder niemand. Dort, wo es keine verbindliche Anmeldung gab, war das Fest deshalb wenig planbar, an einigen Orten hätte es sicher noch etwas mehr Werbung gebraucht.
  • Die Röste bleibt ein Knackpunkt. Es gab Unsicherheiten, wann Flachs „fertig“ ist, einige kamen mit ungeröstetem Flachs zum Fest, aus Sorge, etwas falsch zu machen. Der Wunsch nach mehr Unterstützung bei diesem Arbeitsschritt wurde mehrfach genannt.
  • Handwerk braucht Zeit. In diesem Jahr haben wir definitiv gelernt, wie lange das Brechen, Schwingen und Hecheln dauert. Für manche war ein einziger Festtag zu kurz, wenn es darum ging, eine bestimmte Menge Flachs zu verarbeiten (manche haben viel mehr als einen Quadratmeter angebaut), und manche haben sich so viel um vorbeikommende Besucher:innen gekümmert, dass sie nicht selbst zum Arbeiten gekommen sind.
  • Es hilft, wenn die Verarbeitungsstrecke (Brechen→Schwingen→Hecheln) klar erkennbar für Besucher:innen ist, z.B. mit Schildern oder Menschen, die jeden Schritt erklären.
  • Es braucht genug Geräte. Es ist schwierig einzuschätzen, wieviele Leute am Tag des Festes ihren Flachs verarbeiten oder spontan mitarbeiten wollen. Angesichts des Besucheransturms einiger Orte hätte es mehr Geräte gebraucht, gerade, wenn neben den Teilnehmer:innen von 1qm Lein auch Besucher:innen mitarbeiten.
  • An manchen Orten war der Besucherandrang so hoch, dass es für die Abläufe etwas überfordernd war. Getrennte Stationen für die, die ihren Flachs verarbeiten wollen, und die, die spontan zum Ausprobieren vorbeikommen, könnten eine Lösung sein.
  • Besucher:innen lieben es, wenn auch Spinnen und Weben vorgeführt werden oder sogar erste Spinnversuche an der Handspindel unternommen werden können.
  • Das Wetter können wir leider nicht beeinflussen, aber es hilft,  einen Regen-Notfallplan zu haben!

Die Grundstimmung war trotz dieser Herausforderungen überall positiv. Der Tenor der Feedbacks: „Wir wollen unbedingt weitermachen.“ Fast alle Kooperationspartner:innen von 2025 sind weiterhin mit dabei, was uns riesig freut.

Auch viele Kinder waren begeistert bei den Flachsfesten dabei – hier in Kassel. Foto: Petra Kaltenstein.

Ausblick auf die Saison 2026

Aus den Rückmeldungen ergeben sich für uns folgende Punkte, die wir für 2026 mitnehmen:

  • Im Juni/Juli (vor der Röste) sollte es Angebote mit zusätzlichen Informationen über die Röste geben,  z.B. lokale Treffen bei den Kooperationspartner:innen, wo man gut gerösteten Flachs anfassen kann, oder auch Online-Treffen für Fragen.
  • Wir haben mehrfach positive Rückmeldung zur Bauanleitung für eine Flachsbreche von Doris Fischer bekommen, die man sogar aus einem alten Lattenrost bauen kann. Wir empfehlen, zusätzliche Geräte (vor allem Brechen und Hecheln) zu bauen, wenn vor Ort zu wenig Geräte vorhanden sind. An einigen Orten wurden hier Kooperationen mit Berufschulklassen, Offenen Werkstätten oder FabLabs gestartet. Verschiedene Anleitungen und auch eine Möglichkeit, Geräte zu leihen und zu kaufen, finden sich in unserem (aktualisierten!) Blogbeitrag zu den Flachsgeräten, eine Geräte-Checkliste ist in Arbeit.
  • Das offene Konzept der Flachsfeste (Teinehmer:innen von 1qm Lein und Museumsbesucher:innen) wurde mehrfach positiv hervorgehoben. Um sicherzustellen, dass die Teilnehmer:innen ihren Flachs verarbeiten können, denken einige Kooperationspartner über getrennte Bereiche oder eine vorhergehende verbindliche Anmeldung nach. Auch ein zentraler Infostand, der die Besucherströme leitet, wurde als hilfreich benannt.
  • Rund um die Flachsfeste und auch in den Feedbacks hat uns mehrfach die Frage erreicht, wie viele Teilnehmer:innen es in einer bestimmten Region oder rund um einen Kooperationspartner gibt, verbunden mit dem Wunsch, diese z.B. per e-Mail zu erreichen. Wir sind hier aus Datenschutzgründen nur bedingt aussage- und handlungsfähig – deshalb haben wir den Communitybereich mit der Kartenfunktion gebaut, damit ihr euch regional finden und vernetzen könnt. Nutzt deshalb gerne diese Möglichkeit, tragt eure Postleitzahl in eurem Profil ein und vernetzt euch mit Menschen aus eurer Region.
  • Unser Projekt wächst! Und damit auch euer Interesse an Vertiefung: mehr Austausch, mehr Verbindungen. Dafür starten wir ab März mit digitalen Communitycalls, bei denen ihr andere Teilnehmer:innen kennenlernen und euch über die anstehenden Aufgaben austauschen könnt. Mehr dazu im kommenden Jahr in unserem Newsletter.

Die Flachsfeste 2025 haben gezeigt, wie schön gemeinschaftliches Lernen sein kann. Wir freuen uns darauf, diesen Weg mit euch weiterzugehen!

Du hast noch eine Ergänzung oder möchtest einen ausführlichen Beitrag über euer Flachsfest oder deinen Besuch eines Flachsfestes schicken? Dann meld dich bei uns!

Text und Auswertung: Berenice Möller

 

Selbstgebaute Flachsgeräte beim Brechelfest in München (links) und Aufbau vor der Start des Festes im Bauernmuseum Zabeltitz (rechts). Fotos: Mona Knorr